Der "Schlawiner-Freddy" schließt seine Annafest-Bar für immer zu

Leo Hühnlein

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Corona-Krise zwingt Kellerwald-Ikone zur Aufgabe

Die Corona-Krise wirft ihre Schatten auch weiterhin in den Forchheimer Kellerwald und beeinflusst Planungen der Wirte und Betreiber. Jetzt hat es auch Freddy Winkler getroffen, mit dem Chef des Kult-Treffs von "Freddy´s-Bar" verliert das Annafest im Kellerwald eines seiner Unikate. Nach der Absage des Annafestes 2020 vermiest sie dem "Schlawiner-Freddy" zudem die längstens geplante Abschiedsparty.


Trauriger "High Noon" im Kellerwald an Pfingsten

Pfingstsamstag im Kellerwald, es ist Mittagszeit kurz nach 13 Uhr. Das Leben kehrt nach Wochen der Entbehrung langsam auf die Plätze unter dem schattigen Blätterdach zurück. Auf einigen der grün gestrichenen Bänke und Tische prosten sich Besucher zu und stoßen mit den Steingutkrügen an, als wäre es immer so gewesen. Freilich unter Einhaltung der Auflagen.

Nicht weit davon entfernt, mittig zwischen Eichhorn- und Nederkeller, geht eine Ära zu Ende, die 1985 zunächst mit einer Holzbude nahe der "Lützelberger-Kurve" am Aufgang zu den oberen Kellern begann. Nachdenklich sperrt Freddy Winkler das Vorhängeschloss der Tür am Fachwerkhäuschen von "Freddy´s-Bar" gegenüber des Hofmanns-Kellers zu, es wird eines der letzten Male sein: "Wenn man für 35 Jahre ein Teil des Annafestes war und jetzt fast still und leise verschwinden muss, dann geht einem das schon ein wenig nahe. Die Corona-Krise hat mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht." Am diesjährigen Annafest sollte nach dem Kehraus am Montag für Stammgäste und Geschäftskunden die gesamte Zeche im Rahmen einer Riesenabschiedsparty frei sein.


Standesgemäße Abschiedsparty geplant

Ein Fest mit Pauken und Trompeten war geplant, so wie es der einstige Party-Löwe schon immer gerne gehabt hatte und wodurch er beim Forchheimer Kneipenpublikum längst Legendenstatus erreichte. Über die Jahre im Kellerwald seien richtige Fan-Freundschaften gewachsen, erzählt Winkler stolz: "Aus Frankfurt, Hannover, München und dem restlichen Deutschland kamen inzwischen zu Stammgästen gewordene Besucher. Eine Gruppe feierfester Männer aus Steinheim nahe Augsburg hatte sich für das Annafest extra signalrote T-Shirts machen lassen, auf dessen Ärmel zu lesen steht: Bei Fund dieser Person bitte an Freddy´s-Bar abgeben."


Nach "Legere" und "Biwak" kam "Der Schlawiner"

Schon als Freddy Winkler am 2. April 1984 (damals noch in dem Fachwerkhäuschen in der Eisenbahnstraße) den "Schlawiner" eröffnete, wurde der Slogan "Are you ready for Freddy?" zum geflügelten Wort bei Forchheims Kneipengängern. Bereits zuvor, als Geschäftsführer der Bierkneipen "Legere" und "Biwak", veranstaltete der gewiefte Kneipenwirt Beachpartys mit Sandstrand unter dem aufblasbaren Plastikpool - lange bevor andere das taten. Als er die Kultkneipe nach 29 Jahren, am 28.02.2013, schloss, kannte man ihn eigentlich nur noch als "Schlawiner-Freddy".


Der "Schlawiner-Freddy" war längst Kult

Als Winkler nach zuvor 24 Jahren in der Holzbude am Annafest dann 2009 in die Hütte neben dem Musikpodium auf den oberen Kellern einzog, hatte das vorwiegend jüngere Annafest-Publikum die Location samt Außengelände schnell als In-Treff ausgemacht. In Stoßzeiten kamen Gäste nur noch mit Eintrittskarten auf das Areal, der (jetzt ehemalige) Chef des Kult-Treffs musste schon vor den Anordnungen zu behördlichen Sicherheitsauflagen Türsteher am Treppenaufgang positionieren, so groß war manchmal der Andrang.


Aus und vorbei - neue Pläne für das Kellerhäuschen

Das ist nun alles vorbei, bilanziert der baldige Ruheständler mit Wehmut: "Mir tut es vor allem in der Seele weh, dass ich viele meiner Stammgäste nicht mehr persönlich Lebewohl habe sagen können. Auch den Geschäftspartnern, wie vor allem Harry Wolf von der Firma Kistner, wollte ich mit der Party für all die Jahre der Partnerschaft danken." Er habe sogar probiert, den heuer auslaufenden Vertrag mit den Besitzern vom Hofmannskeller um ein Jahr zu verlängern, um den verpassten Abschied im kommenden Jahr nachzuholen, doch deren Planungen lassen dies nicht zu, so der bald 63-jährige gebürtige Heroldsbacher: "Das Kellerhäuschen soll von Grund auf saniert und umgebaut werden. Soweit ich es mitbekam, soll es dann ganzjährig bewirtet werden. Dafür sind schon Termine mit den ausführenden Firmen abgesprochen, deswegen muss ich sofort Schluss machen." Er schiebt nach, dass in seiner Entscheidung auch gesundheitliche Gründe mitspielten: "Im vorigen Herbst bekam ich eine neue Hüfte eingesetzt und jetzt schmerzt länger schon das Knie, so dass mir auch hier eine OP droht."


Hin- und hergerissen von Wehmut und Dank

Achselzuckend geht Winkler die Treppenstufen der Kellerhütte hinab und verabschiedet seine treue Mitarbeiterin Marina Walz, die ihn schon viele Jahre als Bedienung begleitete. Sie ging ihm auch an diesem Vormittag beim Ausverkauf des Ausschankinventars zur Hand, der in den sozialen Netzwerken angekündigt wurde und ganz gut lief, wie Winkler sagt: "Es standen schon um elf Uhr einige Leute da, darunter auch einige meiner Stammgäste. Sie haben sich vor allem Erinnerungsstücke geholt, aber auch die meisten Kühlgeräte sind bis auf eine Kühltruhe weg."

Übrig blieben ein paar schmucke Blechschilder, wie sie in Bierkneipen üblich sind, sowie einige Utensilien aus dem Barbetrieb und Ausschankgegenstände für Hausbars.

Wer sich für die Blechschilder (siehe Fotostrecke) oder weitere Schankutensilien interessiert, kann mit Freddy Winkler Kontakt über dessen Facebook-Seite aufnehmen.


Leo Hühnlein

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Veröffentlicht am

05.06.2020

Zur Veröffentlichung erhalten von

Leo Hühnlein